Frauen aus Schmelz helfen in Indien

Saarländerinnen lehrten vier Wochen lang Umgang mit Nadel und Faden. 13 Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren haben sie mit dem Nähen vertraut gemacht. Für vier Wochen reisten zwei Schmelzerinnen nach Indien, um dort den Tamilinnen den Umgang mit Nadel und Faden beizubringen. Unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe hat die Ordensfrau Gisela Häring dort eine Nähstube errichtet.

Von SZ-Redakteurin Monika Kühn:

Schmelz. Sie waren die ersten Gäste im neuen Haus von Gisela Häring. Die Ordensfrau der Schönstattbewegung „Mit Maria auf den Weg“ hatte einen Hilferuf ins Saarland geschickt. Sie brauche dringend eine Näherin, die „ihren Frauen“ mit den Grundkenntnissen des Nähens vertraut mache, sie anleite. Und Gehör fand sie bei Marga Weber aus Schmelz. Zusammen mit ihrer Schwester Monika Haus machte sie sich für vier Wochen auf den Weg nach Indien. Doch kurz vor dem Abflug sei es ihnen schon etwas mulmig gewesen, betonten beide, aber bereut haben sie ihren Schritt nicht und sie wollen wieder hinfahren.
Marga Weber mit einigen Näherinnen Marga Weber ist gelernte Schneidermeisterin. Auch heute noch gibt die 68-Jährige Nähkurse bei der KEB in Schmelz. Von zu Hause haben die beiden Schwestern alles Mögliche an Nähmaterialien mitgenommen, Scheren, Kreide, Maßbänder, Stecknadeln. Eine Nähmaschine haben sie vor Ort gekauft. Insgesamt waren sie fast zwei Tage unterwegs, bis sie schließlich in Tirchy von Gisela Häring in Empfang genommen wurden. Die hohe Luftfeuchtigkeit haben die Schwestern relativ gut vertragen. Aber mit dem Essen sei das die ersten Tage so eine Sache gewesen. „Dreimal täglich warmen Reis, allerdings mit verschiedenen Soßen“, erzählt Marga Weber, „das war schon sehr eintönig.“ Aber nach ein paar Tagen, als sie die Lage vor Ort und in den Geschäften etwas genauer erkundet hatten, hat Monika Haus die Initiative ergriffen und den Küchenplan umgestellt. Von da an gab's mal Kartoffeln, wurde Pfannkuchen gebacken oder eine Gemüsesuppe kam auf den Tisch.
Die Näherinnen mit Monika Haus in der Mittagspause Die 64-jährige Monika Haus war hauptsächlich für den hauswirtschaftlichen Teil zuständig. Neben dem Haushalt brachte sie den jungen Frauen auch bei, dass sie die Nähstube sauber halten müssen. Denn die großen Stoffballen mit der wertvollen Seide durften auf keine Fall schmutzig werden und außerdem macht Nähen auch „viel Staub“.
Von morgens zehn bis 17 Uhr wurde in der Nähstube fleißig gearbeitet. Anfangs sei die sprachliche Verständigung etwas schwierig gewesen, aber „wir haben viel gelacht“, besonders wenn Marga Weber im besten Außener Platt die jungen Tamilinnen aufforderte, „holl mir mo de Scher“ und diese dann versuchten ihr nachzusprechen.
Das Material, die Seidenballen, wurde von einer reichen Deutschen gespendet. Und dank der Hilfe von Marga Weber wurden daraus edle Bettwäsche und Bademäntel, die zusätzlich bestickt wurden. Mit dem Verkaufserlös wiederum können dann weiteres Material und neue Nähmaschinen angeschafft werden.

„Die Frauen haben sich ihr Essen mitgebracht“, erzählen Weber und Haus. „Jeden Tag ein Töpfchen Reis, das sie mittags auf dem Boden sitzend gegessen haben.“ Als Lohn für die Arbeit bekommen sie von Gisela Häring zwei Euro am Tag. Zum Vergleich: Ein Mann verdient durchschnittlich drei Euro und muss die Familie ernähren.


Textquelle: Saarbrücker Zeitung vom 14.08.2007

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